Innere Darbringung

Das visuelle Objekt der inneren Darbringung

Wir stellen eine Schädelschale, ein Gefäß von ähnlicher Form oder einen kleinen Behälter, der einen Deckel hat, vor uns auf. In diesen Behälter gießen wir schwarzen Tee oder Alkohol, und in diesen geben wir eine Nektar-Pille, die von unserem spirituellen Führer gesegnet worden ist oder die wir von einem Dharma-Praktizierenden von der gleichen Linie, wie wir selbst, erhalten haben. Dies ist das visuelle Objekt. Uns auf dieses konzentrierend, machen wir damit weiter, die innere Darbringung zu segnen.


Klärung

Hier bedeutet Klärung das Klären oder Entfernen von Hindernissen, wie schädlichen Geistern, die bei der Segnung von der inneren Darbringung stören könnten. Dies wird durch das Rezitieren von dem Mantras OM KHANDAROHI HUNG HUNG PHAT gemacht. Unter den vielen Gottheiten von dem Heruka-Mandala, ist die zornvolle weibliche Gottheit Khandarohi für Zerstreuung von Hindernissen und Behinderungen zuständig. Sie ist auch als die 'Göttin der Aktion' bekannt und ihr Mantra wird als 'Aktions-Mantra' bezeichnet. Während wir dieses Mantra rezitieren, stellen wir uns unzählige rote Khandarohi-Göttinnen vor, die aus unserem Herzen hervorgehen. Sie verteilen sich in alle Richtungen und treiben negative Kräfte, die das Segnen der inneren Darbringung blockieren könnten, weg. Dann nehmen wir die Göttinnen wieder in unsere Herzen auf.


Reinigung

In diesem Zusammenhang bedeutet Reinigung das Reinigen unserer gewöhnlichen Erscheinungen und gewöhnlichen Vorstellungen, einschließlich dem Festhalten am Selbst, mit Hilfe von der Meditation. Wir sollten die zehn Substanzen reinigen, bevor wir sie in Nektar umwandeln. Dazu konzentrieren wir uns auf das visuelle Objekt der inneren Darbringung und betrachten, dass dies und alle anderen Phänomene, einschließlich uns selbst, leer von innewohnender Existenz sind. Zur gleichen Zeit rezitieren wir das Mantra OM SOHAVA SHUDDHA SARWA DHARMA SOHAVA SHUDDHO HAM, gefolgt von den Worten: "Alles wird Leerheit". Das Mantra fasst die Meditation über die Leerheit zusammen:

OM bezieht sich auf das visuelle Objekt der inneren Darbringung,
SARWA DHARMA bedeutet 'alle Erscheinungen' und
SOHAVA SHUDDHO bedeutet 'fehlt innewohnende Existenz'.

Das ganze Mantra bedeutet also: "Allen Phänomenen, einschließlich dem visuellen Objekt der inneren Darbringung, fehlt es an innewohnender Existenz".

Nach der Rezitation von "Alles wird Leerheit" meditieren wir kurz über die Leerheit, den Mangel an innewohnender Existenz. Wir stellen uns vor, dass sich alle herkömmlichen Erscheinungen in die Leerheit auflösen, identifizieren diese Leerheit als Mangel von innewohnender Existenz und versuchen dann, unseren Geist mit dieser Leerheit zu vermischen.


Erzeugung

Diese besteht aus zwei Teilen:

Erzeugen des Behälters
Erzeugen der enthaltenen Substanzen


Erzeugen des Behälters

Wir visualisieren:

Aus dem Zustand der Leerheit erscheint eine blaue Silbe YAM. Diese ist der Samen von dem Wind-Element und ihre Natur ist die Weisheit von der großen Glückseligkeit und Leerheit. Das YAM verwandelt sich in eine riesiges bogenförmiges Wind-Mandala, das blau ist und flach liegt, mit seiner gebogenen Ecke am weitesten von uns entfernt. An beiden Ecken gibt es eine weiße Fahne. Die Bewegung von dem Banner aktiviert das Wind-Mandala, was den Wind zum wehen bringt.

Oberhalb von dem Wind-Mandala erscheint eine rote Silbe RAM. Diese ist der Samen von dem Feuer-Element und ihre Natur ist die Weisheit der großen Glückseligkeit und Leerheit. Das RAM verwandelt sich in ein dreieckiges Feuer-Mandala, das flach und rot ist. Eine der Ecken weist auf uns, direkt über der geraden Ecke von dem Wind-Mandala, und die beiden anderen Ecken sind über der gebogenen Ecke von dem Wind-Mandala. Dieses rote Dreieck, das etwas kleiner als das Wind-Mandala ist, ist der Kern von dem Feuer-Mandala. Wenn dieser Kern durch den Wind angefacht wird, lodern glühende Flammen auf und bedecken das gesamte Wind-Mandala.

Über dem Feuer-Mandala erscheinen drei AH-Silben in verschiedenen Farben. Die Silbe AH über dem östlichen Punkt, der Punkt, die uns am nächsten, ist weiß, die Silbe über dem nördlichsten Punkt, zu unserer Rechten, ist rot und die Silbe über dem südlichen Punkt, zu unserer Linken, ist blau. Diese Buchstaben verwandeln sich in drei große Menschenköpfe, welche die gleichen Farben wie die Buchstaben haben, aus denen sie hervorgegangen sind.

Über der Mitte von den drei Köpfen erscheint eine große weiße AH-Silbe, die Leerheit symbolisiert. Das AH verwandelt sich in eine riesige Schädelschale, außen weiß und innen rot, die auf den Köpfen liegt.


Erzeugen der enthaltenen Substanzen

Um die enthaltenen Substanzen zu erzeugen, sollten wir das Folgende visualisieren:

Innerhalb der Schädelschale erscheinen augenblicklich die zehn Buchstaben OM, KHAM, AM, TRAM, HUNG, LAM, MAM, PAM, TAM und BAM. Allmählich verwandeln sich diese Buchstaben in die fünf Arten Fleisch und die fünf Nektare. Im Osten, der Teil der Schädelschale, der uns am nächsten ist, verwandelt sich die weiße Silbe OM in gelben Kot, der mit einem strahlend weißem OM, der Keim-Silbe von Vairochana, gekennzeichnet ist. Im Norden, unserer Rechten, verwandelt sich die grüne Silbe KHAM in weiße Gehirne, gekennzeichnet von einem strahlend grünen KHAM, der Keim-Silbe von Amoghasiddhi. Im Westen verwandelt sich die rote Silbe AM in weißes Sperma, gekennzeichnet von einem strahlend roten AM, der Keim-Silbe von Amitabha. Im Süden verwandelt sich die gelbe Silbe TRAM in rotes Blut, gekennzeichnet von einem strahlend gelben TRAM, der Keim-Silbe von Ratnasambhava. In der Mitte verwandelt sich die blaue Silbe HUNG in blaues Urin, gekennzeichnet von einem strahlend blauen HUNG, der Keim-Silbe von Akshobya.

Im Süd-Osten verwandelt sich die weiße Silbe LAM in die schwarze Leiche einer Kuh, gekennzeichnet von einem strahlend weißen LAM, die Keim-Silbe von Lochana. Im Süd-Westen verwandelt sich die blaue Silbe MAM in die rote Leiche eines Hundes, gekennzeichnet von einem strahlend blauen MAM, die Keim-Silbe von Mamaki. Im Nord-Westen verwandelt sich die rote Silbe PAM in die weiße Leiche eines Elefanten, gekennzeichnet von einem strahlend roten PAM, die Keim-Silbe von Benzarahi. Im Nord-Osten verwandelt sich die grüne Silbe TAM in die grüne Leiche eines Pferdes, gekennzeichnet von einem strahlend grünen TAM, die Keimsilbe von Tara. In der Mitte verwandelt sich die rote Silbe BAM in eine rote menschliche Leiche, gekennzeichnet von einem strahlend roten BAM, die Keim-Silbe von Vajravarahi.

Alle Leichen liegen auf dem Rücken und sind am Herzen durch ihre jeweiligen Buchstaben gekennzeichnet. Die menschliche Leiche liegt in Urin, mit ihrem Kopf von uns weg zeigend. Alle anderen Leichen liegen mit ihren Köpfen in Richtung der Mitte der Schädelschale zeigend.

Zusammenfassend erscheinen aus dem Inneren der riesigen Schädelschale die zehn Silben - die Keim-Silben der fünf Buddha-Väter und der fünf Buddha-Mütter. Diese zehn Silben wandeln sich in die zehn Inneren Substanzen um, welche die Grundlage der inneren Darbringung bilden.

Diejenigen, die kein Verständnis der Leerheit haben, sollten nicht versuchen, die zehn Substanzen deutlich zu visualisieren, denn sie bekommen vielleicht das Gefühl, dass sie in Wirklichkeit Kot und Urin visualisieren, und anstatt in der Lage sein, dies in Nektar umzuwandeln, fühlen sie sich angewidert!


Umwandlung

Diese besteht aus drei Teilen:

Fehler reinigen
Umwandlung in Nektar
Vermehrung
Fehler reinigen

Wir betrachten:

Lichtstrahlen strahlen von der Silbe HUNG in unserem Herzen und berühren die zwei Banner von dem Wind-Mandala, wodurch sie zu flattern beginnen. Dies bewirkt, dass das Wind-Mandala bläst, was wiederum bewirkt, dass das Feuer-Mandala lodert. Die Hitze von dem Feuer-Mandala bewirkt, dass die zehn Keim-Silben, welche die Substanzen kennzeichnen, von selbst kochen. Sie alle verschmelzen zu einer heißen, orangen Flüssigkeit. Wie sich dann die Silben mit den zehn Substanzen vermischen, werden die unangenehmen Farben, Geschmäcker und Gerüche von den Substanzen gereinigt.


Umwandlung in Nektar

Wir betrachten:

Oberhalb der orangen Flüssigkeit erscheint eine weiße Silbe HUNG, welche die Natur von Heruka's Geist, die Weisheit der unteilbaren großen Glückseligkeit und Leerheit, ist. Das HUNG verwandelt sich in einen weißen, auf den Kopf gestellten Khatanga. Die Substanz von dem Khatanga ist weißes Bodhichitta und seine Natur ist Heruka's Geist.

Durch die Hitze der kochenden Flüssigkeit unterhalb beginnt der weiße Khatanga zu schmelzen und tropft in die Schädelschale, schmilzt wie Butter, wenn sie in die Nähe von Dampf gehalten wird. Der schmelzende weiße Khatanga wirbelt dreimal gegen den Uhrzeigersinn in der Schädelschale herum und vermischt sich dann vollständig mit der Flüssigkeit. Die Flüssigkeit wird kühl und süß, und nimmt die Farbe von Quecksilber an. Durch die Vermischung mit dem Khatanga verwandelt sich die Flüssigkeit in Nektar, der drei Qualitäten besitzt: Medizin Nektar, der alle Krankheiten verhindert, Lebens-Nektar, der den Tod zerstört, Weisheits-Nektar, der alle Täuschungen ausrottet.

Während wir uns vorstellen, dass sich die Flüssigkeit in den Nektar mit den drei Qualitäten umwandelt, brauchen wir eine sehr feste und starke Konzentration.


Vermehrung

Direkt über dem Nektar, visualisieren wir eine Reihe von Sanskrit-Vokalen und -Konsonanten, die weiß in der Farbe sind. In der Mitte ist der erste Vokal, die Silbe OM. Ausgehend von der rechten Seite von dem OM und sich von rechts nach links fortsetzend, sind die restlichen Vokale in der folgenden Reihenfolge:

A AH I IH U UH RI RIH LI LIH E AI O AU AM AH

Beginnend auf der linken Seite von dem OM und sich von links nach rechts fortsetzend sind die Konsonanten in der folgenden Reihenfolge:

KA KHA GA GHA NGA
CHA CHA JA JHA NYA
DA THA TA DHA NA 
DrA THrA TrA DHrA NA
BA PHA PA BHA MA
YA RA LA WA SHA KA SA HA KSCHA

Oberhalb dieser Reihe von weißen Buchstaben ist eine ähnliche Reihe von roten Buchstaben, und darüber ist eine Reihe von blauen Buchstaben. Die Buchstaben jeder Reihe sind die gleichen und unterscheiden sich nur in den Farben. Alle drei Reihen von Buchstaben sind aus strahlendem Licht gemacht.

Wir stellen uns vor, dass die Reihen der weißen Vokale und Konsonanten sich nach und nach von beiden Enden zur Mitte hin auflösen und sich in ein weißes OM verwandeln. In der gleichen Weise verwandelt sich die Reihe der roten Buchstaben in ein rotes AH und die Reihe der blauen Buchstaben verwandelt sich in ein blaues HUNG. Jetzt gibt es eine weiße Silbe OM, eine rote Silbe AH und ein blaue Silbe HUNG über dem Nektar, eine über der anderen.

Diese drei Buchstaben strahlen brillante Lichtstrahlen zu den Buddha-Ländern der zehn Richtungen, nehmen die Freuden aller Buddhas, Helden und Yoginis auf und bringen alle ihre Weisheits-Nektare und Freuden zurück in die drei Silben. Das blaue HUNG dreht sich um, steigt herab und löst sich in den Nektar auf, in gleicher Weise folgen auch das rote AH und das weiße OM. Die drei Silben mischen sich mit dem Nektar, wodurch er unerschöpflich wird. Zur Stabilisierung der Umwandlung von dem Nektar rezitieren wir dreimal OM AH HUNG.

Wir betätigen uns in diesen Praktiken der inneren Darbringung, während wir die entsprechenden Wörter aus der Sadhana rezitieren. Zum Abschluss des Segnens sollten wir die starke Überzeugung entwickeln, dass es vor uns einen speziellen Weisheits-Nektar gibt, der die drei Qualitäten besitzt. Dieser Nektar kann nun entweder für eigene Zwecke oder zum Wohle anderer eingesetzt werden.
