Training in göttlichem Stolz

Göttlicher Stolz ist eine spezielle Art der Betrachtung, in der wir uns vorstellen, dass wir selbst eine Tantra-Gottheit sind und unsere Umwelt ihr Reines Land ist. Obwohl er 'Stolz' genannt wird, ist der göttliche Stolz keine Täuschung. Er ist von dem verblendeten Stolz völlig verschieden. Täuschender Stolz verursacht nur eine Wiedergeburt in Samsara, wohingegen die Erzeugung von dem göttlichen Stolz, Heruka zu sein, nur zur Befreiung aus Samsara führt. Wenn wir durch unsere Praxis der drei Arten von 'Bringen', wie oben erläutert, Achtsamkeit aufrechterhalten, dann sollten wir, wenn die Zeit kommt, die tatsächliche Erzeugungsstufen-Meditation zu machen, bereits einiges von dem göttlichen Stolz, Heruka zu sein, haben. Jetzt versuchen wir, durch analytische Meditation und Platzierung, unsere Erfahrung von dem göttlichen Stolz zu stärken und zu stabilisieren. Zuerst werden wir die analytische Meditation über den göttlichen Stolz durch die folgende Betrachtung machen:

Zuerst löste ich meinen normalen Körper und Geist in Leerheit auf und aus dem Zustand der Leerheit entstand ich als der Wahrheits-Körper, Freuden-Körper und Ausstrahlungs-Körper von Heruka. Ich hatte die Wiedergeburt als Ausstrahlungs-Körper von Heruka, umgeben von allen anderen Gottheiten im Mandala, angenommen.

Als Ergebnis dieser Betrachtung entwickeln wir ein starkes Gefühl, tatsächlich Heruka zu sein und wir behalten diesen Gedanken einsgerichtet in der Platzierenden Meditation bei. Zur Verstärkung von unserem göttlichen Stolz betrachten wir:

In der Praxis von der Einladung der Weisheits-Wesen, lud ich alle Buddhas in der Form von Heruka ein, sich in mich aufzulösen. Zu dieser Zeit wurden mein Körper und Geist und Heruka's Körper und Geist eins. Daher gibt es keinen Zweifel, dass ich Heruka bin.

Um über den göttlichen Stolz zu meditieren, wandeln wir zuerst unseren Geist in göttlichen Stolz um und versuchen dann, diesen Geist, ohne Ablenkung, einsgerichtet zu halten. Anders als die Meditation über die Leerheit oder Vergänglichkeit, wo wir uns auf ein anderes Objekt, als der Geist selbst, konzentrieren, wird in dieser Meditation das Objekt der Meditation, das unser eigener Geist ist, in den göttlichen Stolz umgewandelt.

Es ist wichtig zu verstehen, dass der Geist von dem göttlichen Stolz kein falsches Gewahrsein, sondern ein gültiger Erkenner ist. Wenn wir über den göttlichen Stolz meditieren, vergessen wir völlig unseren gewöhnlichen Körper und Geist und konzentrieren uns auf den reinen Körper und Geist von Heruka, und auf dieser Basis entwickeln wir den göttlichen Stolz, dass wir Heruka sind. Wenn wir den Gedanken "Ich bin Heruka" entwickeln und unseren gewöhnlichen Körper und Geist beobachten, wäre dies ein falsches Gewahrsein; aber wenn wir alle gewöhnlichen Erscheinungen verhindern und den reinen Körper und Geist von Heruka beobachten, ist dies eine gültige Grundlage für die Zuschreibung von Heruka. Unser Geist von dem göttlichen Stolz, denkend "Ich bin Heruka", ist ein gültiger Erkenner, weil er durch reine Konzentration erzeugt wird, und kein irreführender Geist ist. Zum Beispiel ist eine Person namens 'Mond' nicht der wirkliche Mond, aber sein Denken "Ich bin Mond" ist korrekt und gültig. Ebenso ist dieser Geist von dem göttlichen Stolz ein gültiger Geist, obwohl wir im Moment nicht wirklich Heruka sind.

In der Regel haben alle Stolz auf ihre Identität und denken: "Ich bin dies" oder "Ich bin das". Dieser gewöhnliche Stolz ist verblendeter Stolz und ein falsches Gewahrsein, denn wenn wir unsere normalen verunreinigten Aggregate beobachten, erscheinen sie uns als wirklich existent, und in der Regel entwickeln wir als Ergebnis den Stolz auf ein wahrhaft existierendes Ich. In Wirklichkeit gibt es hier keine wirklich vorhandenen Aggregate und kein wahrhaft existierendes Ich. Die Grundlage für die Zuschreibung von dem Ich verändert sich die ganze Zeit und deshalb verändert sich auch das Ich, das wir dieser Basis zuschreiben, aber aufgrund unserer Unwissenheit greifen wir auf dieses Ich immer als wirklich existent zu. Das Ergebnis von diesem gewöhnlichen verblendeten Stolz ist, dass wir ununterbrochen den gewöhnlichen Tod, den Zwischenzustand und die Wiedergeburt erleben. Wenn wir den göttlichen Stolz auf der Basis von dem reinen Körper und Geist Heruka's entwickeln, anstatt dass wir nach diesem unreinen Ich greifen, gibt es keine Grundlage für uns, um Leiden zu erleben. Wenn wir den göttlichen Stolz, Heruka zu sein, bewahren, bleiben wir glücklich und friedlich, wir werden keine negativen Handlungen mehr begehen, wir werden schnell und einfach unsere spirituellen Verwirklichungen vermehren und wir werden in Heruka's Reinem Land wiedergeboren werden. Diese Punkte betrachtend, sollten wir denken:

Von diesem Moment an werde ich meinen gewöhnlichen verblendeten Stolz, der die Ursache für so viel Leid ist, aufgeben und immer den göttlichen Stolz bewahren, Heruka zu sein.

Wir können manchmal Zweifel durch das Denken entwickeln: "Der Körper von Heruka ist nicht mein Körper, wie kann ich ihn da als die Grundlage für die Zuschreibung von dem Ich nehmen?" Um diese Zweifel zu zerstreuen, sollten wir nicht vergessen, dass unser gegenwärtiger Körper nicht unser Körper ist, sondern einfach von den Eltern ausgeliefert wurde. Wenn unser Bewusstsein anfangs in den Mutterleib eintritt, denken wir von der befruchteten Eizelle auch nicht, dass sie unser Körper ist. Allmählich aber, wie der Körper im Mutterleib gebildet wird, werden wir mehr und mehr vertraut mit ihm und kommen dazu, ihn als unseren eigenen Körper zu betrachten. Wir identifizieren uns mit unserem gegenwärtigen Körper einfach durch die Kraft der Vertrautheit, es gibt keinen anderen Grund, warum wir uns an ihn als unseren Körper klammern. In ähnlicher Weise werden wir, durch wiederholtes Üben der Erzeugungsstufen-Meditation über den göttlichen Stolz, nach und nach mit dem Körper von Heruka vertraut und kommen dazu, ihn als unseren Körper zu betrachten.

Wenn wir die Erzeugungsstufen-Meditation über Heruka üben, ist das erscheinende Objekt, der gedachte Körper von Heruka, ein allgemeines Bild von Heruka's Körper. Wie bereits erläutert ist dieser Körper eine Form, die eine Phänomen-Quelle ist, eine Form, die nur dem mentalen Gewahrsein erscheint, und deshalb ist sie eine gültige Grundlage für die Zuschreibung von Heruka. Wenn wir in dieser Meditation eine tiefe Erfahrung gewinnen, sollten wir unseren Heruka-Körper schließlich mit unserem Augen-Gewahrsein sehen, und er wird zu einer tatsächlichen visuellen Form für uns. Obwohl der Körper von dem vorgestellten Heruka nicht der Körper von dem tatsächlichen Heruka ist, ist er ein allgemeines Bild von Heruka's Körper und so kann er eine gültige Grundlage für die Zuschreibung von dem tatsächlichen Heruka sein. Es gibt hierbei eine Diskussion darüber, ob allgemeine Bilder dauerhaft oder vergänglich sind.

Für Tantra-Praktizierende sind die wichtigsten Objekte, die aufzugeben sind, gewöhnliche Vorstellungen und gewöhnliche Erscheinungen. Göttlicher Stolz überwindet gewöhnliche Vorstellungen und klares Erscheinen überwindet gewöhnliche Erscheinungen. Die Begriffe 'gewöhnliche Vorstellung' und 'gewöhnliche Erscheinung' werden am besten durch das folgende Beispiel erläutert. Angenommen, es gibt einen Heruka-Praktizierenden namens John. Normalerweise sieht dieser sich als John und die Umwelt, Freuden, Körper und Geist als diejenigen von John. Diese Erscheinungen sind gewöhnliche Erscheinungen. Der Geist, der diesen gewöhnlichen Erscheinungen zustimmt, indem er sie für wahr hält, ist die gewöhnliche Vorstellung. Gewöhnliche Vorstellungen sind Behinderungen zur Befreiung und gewöhnliche Erscheinungen sind Behinderungen zur Allwissenheit. In der Regel haben alle fühlenden Wesen gewöhnliche Erscheinungen, ausgenommen Bodhisattvas, die eine Vajra-ähnliche Konzentration auf dem Pfad der Meditation erreicht haben.

Nun, wenn John auf die Erzeugungsstufe von Heruka meditiert, stark in Bezug auf sich selbst als Heruka und glaubt, dass seine Umgebung und Erfahrungen, sein Körper und Geist, diejenigen von Heruka sind, würde er zu dieser Zeit den göttlichen Stolz haben, der gewöhnliche Vorstellungen verhindert. Wenn er auch das klare Erscheinungsbild von sich selbst als Heruka erreicht, mit der Umgebung, den Freuden, dem Körper und Geist Heruka's, würde er zu dieser Zeit das klare Erscheinungsbild haben, das ihn von der Wahrnehmung der gewöhnlichen Erscheinungen bewahrt.

Am Anfang sind gewöhnliche Vorstellungen schädlicher als gewöhnliche Erscheinungen. Warum dies so ist, erläutert folgende Analogie. Angenommen, ein Magier zaubert vor einem Publikum eine Illusion von einem Tiger. Der Tiger erscheint sowohl dem Publikum als auch dem Magier, aber während das Publikum glaubt, dass der Tiger tatsächlich existiert, und deshalb Angst bekommt, stimmt der Zauberer der Erscheinung von dem Tiger nicht zu und bleibt deshalb ruhig. Das Problem für das Publikum ist nicht so sehr, dass ihm ein Tiger erscheint, es ist mehr ihre Vorstellung, dass der Tiger tatsächlich existiert. Es ist eher diese Vorstellung als die bloße Erscheinung des Tigers, die bewirkt, dass sie Angst erleben. Wenn Sie, wie der Zauberer, keine Vorstellung hätten, dass der Tiger existiert, dann würden sie, auch wenn sie eine Erscheinung von einem Tiger wahrnehmen, keine Angst davor haben. In der gleichen Weise, auch wenn die Dinge uns als gewöhnlich erscheinen, wenn wir sie nicht konzeptuell als gewöhnliche Dinge ergreifen, wird dies auch nicht so schädlich sein. Ebenso ist es weniger schädlich für unsere spirituelle Entwicklung, dass unser spiritueller Führer uns als gewöhnlich erscheint und wir ihn oder sie dennoch für die Essenz von einem Buddha halten, dann bedeutet dies für unseren spirituellen Führer, uns als gewöhnlich zu erscheinen, und für uns bedeutet es, zu glauben, dass er oder sie gewöhnlich ist. Diese Überzeugung, dass unser spiritueller Führer ein Buddha ist, auch wenn er oder sie uns als eine gewöhnliche Person erscheint, hilft unserer spirituellen Praxis, um schnelle Fortschritte zu machen.
