Zuflucht nehmen und Bodhichitta erzeugen

Dies besteht aus vier Teilen:

1. Die Ursachen der Zuflucht
2. Die Visualisierung von den Objekten der Zuflucht
3. Die Art und Weise, Zuflucht zu nehmen
4. Wünschendes und ausführendes Bodhichitta erzeugen


Die Ursachen der Zuflucht

Unser Endziel ist das Erreichen der Erleuchtung, die letztendliche Zuflucht, um den zahllosen Mutter-Wesen zu nutzen. Gerade jetzt brauchen wir jedoch eine Zuflucht, die uns vor dem Absturz in untere Wiedergeburten bewahrt. Ohne diesen inneren Schutz sind wir, wenn wir uns einfach in den Meditationen von dem Höchsten Yoga-Tantra betätigen, um schnell die Erleuchtung zu erlangen, wie jemand, der ohne Sicherheitsausrüstung auf einen hohen und gefährlichen Berg zu klettern versucht.

Der Zeitpunkt unseres Todes ist sehr ungewiss. Vielleicht können wir heute sterben, vielleicht morgen, wir haben keine Ahnung, wann wir sterben. Wenn wir ohne Zuflucht sterben, werden wir alle spirituellen Fortschritte, die wir gemacht haben, verlieren. Beim Tod werden wir alles vergessen, was wir in unserem Leben gelernt haben, und alles verlieren, was wir aufgebaut haben. Nach dem Tod werden wir, ohne die Wahl zu haben, eine andere samsarische Wiedergeburt mit allen damit verbundenen Leiden erleben. Keine Erinnerung an unser früheres Leben habend, werden wir nicht in der Lage sein, das Kontinuum unserer spirituellen Praxis zu erhalten. Wie durch ein Wunder haben wir es geschafft, ein wertvolles menschliches Leben mit all den für die spirituelle Praxis notwendigen Voraussetzungen zu erhalten; aber wenn wir versäumen den inneren Schutz der Grundlegenden Zuflucht zu erreichen, werden wir keine andere ähnlich ausgestattete Wiedergeburt finden und diese wundervolle Gelegenheit für spirituelle Entwicklung geht für immer verloren.

Um uns selbst vor der Gefahr einer niedrigeren Wiedergeburt zu schützen und um die besondere Gelegenheit zu schaffen, das Kontinuum unserer spirituellen Praxis in dem Leben nach diesem Leben zu erhalten, müssen wir Zuflucht zu den Drei Juwelen nehmen, nicht-tugendhafte Handlungen vermeiden, und mit moralischer Disziplin, Geduld, Anstrengung, Konzentration und Weisheit praktizieren. Wenn wir das Höchste Yoga-Tantra auf dem festen Fundament dieses grundlegenden inneren Schutzes praktizieren, dann können wir, auch wenn wir keine höheren Verwirklichungen in diesem Leben erzielen, unsere Praxis zumindest durch den Tod und den Zwischenzustand in unser zukünftiges Leben tragen. Wir sollten glücklich sterben, mit Vertrauen. Für uns ist der Tod wie in den Urlaub zu gehen.

Wie bereiten wir uns für unsere zukünftigen Leben vor? Durch die Praxis der moralischen Disziplin schaffen wir die Ursache für eine höhere Wiedergeburt; durch das Geben schaffen wir die Ursache für künftigen Wohlstand; durch das Ausüben von Geduld schaffen wir die Ursache für die Schönheit; indem wir uns in unserer Dharma-Praxis bemühen, schaffen wir die Ursache, um mit Leichtigkeit spirituelle Erfahrungen zu erlangen; durch das Üben von Konzentration oder Meditation schaffen wir die Ursache, um geistigen Frieden zu erleben, und durch das Zunehmen unserer Weisheit erzeugen wir die Ursache, um dauerhafte Befreiung von dem Leiden zu erlangen. Wir sollten diese grundlegenden Praktiken in unser tägliches Leben integrieren.

Obwohl es für uns, als Mahayana-Praktizierende und vor allem als Praktizierende von dem Höchsten Yoga-Tantra offensichtlich wichtig ist, dass wir uns selbst vor einer niedrigeren Wiedergeburt schützen, sollte unsere Hauptmotivation für das Nehmen der Zuflucht Mitgefühl sein. Um Mitgefühl zu erzeugen, können wir damit beginnen, die Möglichkeit, dass wir noch heute sterben könnten, zu betrachten und uns auf das Gefühl konzentrieren, dass dadurch hervorgerufen wird. Nach dem Tod müssen wir, wo auch immer wir in Samsara wiedergeboren werden, unsägliches Leid erfahren. Durch die Betrachtung und Meditation in dieser Weise, kultivieren wir eine starke Angst vor der Wiedergeburt in Samsara im Allgemeinen und insbesondere in den niederen Bereichen. Wenn wir dann den Fokus unserer Betrachtung von uns selbst auf andere richten, so werden wir es schwierig finden, ihre Leiden zu ertragen und das Mitgefühl wird natürlich entstehen. Angst vor einer samsarischen Wiedergeburt und Mitgefühl für alle, die in Samsara gefangen sind, sind die ersten beiden Ursachen der Mahayana-Zuflucht. Wenn wir einen Geist entwickeln, der die Leiden einer samsarischen Wiedergeburt, sowohl für uns selbst als auch für alle fühlenden Mutter-Wesen, nicht ertragen kann, werden wir natürlich eine zuverlässige Quelle der Zuflucht suchen.

Das Dharma-Juwel, die Verwirklichung der Stufen des weiten Weges und von dem tiefgründigen Pfad, ist unsere eigentliche Zuflucht; das Buddha-Juwel ist die Quelle unserer Zuflucht und das Sangha-Juwel ist die Versammlung von Höheren Wesen, welche diejenigen sind, welche die Zuflucht bereits erreicht haben. Durch die Bildung von dem Dharma-Juwel in unserem Geist, werden wir zuerst ein Sangha-Juwel und schließlich ein Buddha-Juwel. Wir sind dann in der Lage, nicht nur uns selbst, sondern alle Lebewesen, vor der Wiedergeburt in den niederen Bereichen im Allgemeinen und insbesondere vor Samsara zu schützen. Wenn wir klar verstehen, dass nur die drei Juwelen perfekte, unfehlbare Objekte der Zuflucht sind, werden der tiefe Glaube und die Überzeugung von deren Macht, Lebewesen vor dem Leiden zu schützen, entstehen. Dies ist die dritte Ursache der Mahayana-Zuflucht.

Zusammenfassend sind die Ursachen der Mahayana-Zuflucht die Angst vor einer samsarischen Wiedergeburt, Mitgefühl für alle Lebewesen und der Glaube an die Drei Juwelen. Das Kultivieren dieser drei Ursachen in unserem Geist ermutigt uns, Zuflucht zu den Drei Juwelen zu nehmen und nicht-tugendhafte Handlungen zu vermeiden.
